|
Anton Hübner / Julius Wisnar / Anton Vrbka / Niklas von Edelspitz / Sebastian I. Freitag von Czepiroch und Dürnbach / Franz I. von Dietrichstein / Josef Freiherr von Sonnenfels / Franz Freiherr von Sonnenfels / Floridus Johann Leeb / Prokop Diwisch / Zacharias (auch Zachäus) Andreas Winzler / Johann Nepomuk Reithoffer / Joahnn Gregor Mendel / Adolf Oborny / P.Klemens Maria Hofbauer / Charles Sealsfield / Marie von Ebner-Eschenbach / Dr. Karl Bacher / Bruno Brehm / Blanche Kübeck / Franz Anton Maulpertsch / Michael Johann Fisée / Johann Michael Rottmayr / Künstlerfamilie Winterhalter (Johann / Josef Anton / Michael) / Künstlerfamilie Charlemont (Adolf / Eduard / Hugo / Theodor) / Theoder von Hörmann / Alexander Pock / Hugo Lederer / Karl von Kopal / Ferdinand Kauer / Heinrich Fiby / Dr.jur. Johannes Bammer / Joseph Wassermann / Johann Künzel / Anton Kreuzinger / Ignaz Florian Casparides / Josef Silberbauer / Ignaz Reinold / Benedikt Latzl / Dr. Karl Renner / Dr. Adolf Schärf / Dr. Franz Linke / Dr. Johann Zabel / Karl Glaninger / Rupert Bendl / Klemens Kramert / Dr. Josef Koch /Erwin Zajicek / Hans Wagner / Richard Meister
In Südmähren, einem Gebiet von etwa 2.300 km², das nach der Volkszählung von 1930 rund 220.000 Einwohner hatte, waren wie ich im Zuge meiner Vorbereitungen feststellen konnte verhältnismäßig viele durch bedeutende Leistungen hervorragende Menschen daheim. Förderten ihre Abstammung, die Geborgenheit vermittelnde heitere Landschaft oder das hier herrschende pulsierende Leben überdurchschnittliche Begabungen? Wahrscheinlich können alle genannten Gründe maßgebend sein, weshalb ich in diese Zusammenstellung nicht nur gebürtige Südmährer aufgenommen habe, sondern auch hier ansässig gewordene Bewohner.Als gebürtige Znaimerin sind mir natürlich durch Elternhaus und Schule Begebenheiten in meiner Heimatstadt und deren Umgebung geläufiger als Ereignisse in den anderen Teilen Südmährens. Ebenso standen mir mehr schriftliche Unterlagen über die königliche Stadt Znaim zur Verfügung, obwohl ich in der österreichischen Nationalbibliothek und in der Wiener Universitätsbibliothek intensiv, aber leider vergeblich nach weiteren Quellen gesucht habe. Wertvolle Dienste für Nikolsburg leistete mir das 1987 erschienene "Heimatbuch Nikolsburg" von Reiner Martin Elsinger.Abgesehen von dem Fehlen von Unterlagen kann eine objektive Wertung verdienstvoller bzw. bedeutender Personen gar nicht so leicht vorgenommen werden, zumal wir ja nur auf einer oft subjektiven Auslese der Chronisten aufbauen können. Es muss also bei einem Versuch bleiben und darf auch auf keinen Fall als erschöpfend betrachtet werden. Manchmal habe ich auch die meiner Meinung nach zu Unrecht vergessenen bedeutenden Menschen unserer Heimat ausführlicher behandelt als Persönlichkeiten, deren Lebensdaten jedem von uns geläufig sind.Wem verdanken wir nun die Kunde über berühmte Menschen unserer Heimat? Außer ihren erhaltenen Werken sind es hier die Chronisten, die mündliche und schriftliche überlieferungen erforschten und uns weitergegeben haben.Begonnen hat in Südmähren der k.k. Bezirkshauptmann Anton Hübner mit "Znaims geschichtliche Denkwürdigkeiten" im Jahre 1843, die er Bescheidenerweise unter der Bezeichnung "von einem Schulfreunde" veröffentlichte. Kurz nach seinem 1869 erfolgten Tode erschienen unter seinem Namen nach seinem hinterlassenen Manuskript 1869 die "Denkwürdigkeiten der königlichen Stadt Znaim", herausgegeben von Victor Hübner und Michael Netoliczka, ein umfassendes Werk über Stadt und Landesgeschichte, Statistik, Stiftungen, Maut und Münzwesen, Privilegien sowie Verwaltungswesen.
Der legendäre Gymnasialdirektor Julius Wisnar, von seinen Schülern gefürchtet und doch hoch verehrt der Schriftsteller Bruno Brehm verewigte ihn in einigen seiner Erzählungen 11856 in Freiberg in Mähren geboren, seit 1886 als Latein und Griechisch-Professor, von 1901 bis zu seinem Tode am 18.Juli 1922 als Direktor am Znaimer Gymnasium, beschrieb Gotteshäuser und Schulen der Stadt Znaim, brachte eine kurz gefasste Geschichte des Znaimer Gymnasiums heraus, berichtete über hervorragende Persönlichkeiten, die zwischen 1624 und 1850 an dieser Schule wirkten, und schrieb über geographische Namenkunde und über die Ortsnamen der Znaimer Bezirkshauptmannschaft. Der bedeutendste und auch heute noch für uns der wichtigste südmährische Heimatforscher ist Schuldirektor Anton Vrbka. Geboren am 17.Mai 1860 in Ungarisch Hradisch, absolvierte hier das Gymnasium und anschließend in Olmütz die Lehrerbildungsanstalt. Im Jahre 1880 kam er als Lehrer nach Zulb, 1884 nach Dörflitz und 1888 als Leiter der Volksschule nach Klosterbruck. Südmähren wurde ihm zur Heimat, er blieb hier bis zu seinem Tod am 2.Juni 1939. Sein umfassendes Wissen veröffentlichte er in zahlreichen Schriften und Aufsätzen, die zum Teil unter dem Pseudonym Eugin erschienen sind. In spannenden Vorträgen und Führungen verstand er es wie selten jemand, seinen Zuhörern das Interesse an und die Liebe zu Znaim und zu Südmähren zu vermitteln. Vrbkas Schriften kann man in pädagogische, soziale und in Heimat und kulturgeschichtliche Hauptgruppen einteilen. Beispielhaft, aber nicht erschöpfend seien hier genannt: "Heimatkunde des politischen Bezirkes Znaim" (1898) "Chronik der Stadt Znaim" (1900/1902 erschienen), "Klosterbruck und seine Schicksale" (1899), "Südmährisches Heimatbuch" (1923), "Sitten und Gebräuche in Südmähren" (Zeitung für österreichische Volkskunde, Wien 1898), "Die Zünfte und das Zunftwesen von Znaim" (1899), "Das Stadtbild und seine Zeichner und Maler von 1523 bis jetzt" ((1899), die Baugeschichte von Klosterbruck" (1899), "Die Frainer keramische Industrie" (1899), "Die Familie Charlemont" (1899), "Geologische Verhältnisse in Südmähren" (1899), "Gedenkschrift an den Untergang von Alt-Schallersdorf" (1899), "Die Erdställe im Bezirke" (Brünn 1912), "Niklas von Edelspitz" (Brünn 1911), "Zachäus W' die Thermolampe" (1919), "Das Deutsche Recht in Südmähren“ (1921), „Prokpop Diwisch" (1923), "Die deutsche Kunst in Znaim" (1923). Die Krönung seines Werkes ist zweifellos das "Gedenkbuch der Stadt Znaim 1226 1926", das anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Stadterhebung Znaims erschienen ist. Erwähnt sei noch, dass die Gründung und die Ausgestaltung des Znaimer Museums in der Burg hauptsächlich das Verdienst Vrbkas ist, der als Kustos des Museums auch die Festschrift zur Eröffnung des Museums verfasste. Wie bereits erwähnt, veröffentlichte Anton Vrbka 1911 eine kulturgeschichtliche Studie "Der Steinmetzemeister Niklas von Edelspitz und seine Bautätigkeit in Znaim und Umgebung von 1440 bis 1468". Alle Znaimer kennen Meister Niklas von Edelspitz als den Erbauer des Znaimer Rathausturmes, eines Kunstwerkes seltener Art, des freundlichsten Wahrzeichens dieser Stadt. Wir kennen aber weder sein Geburtsjahr noch seine Sterbedaten, wir wissen nur von einer lateinischen Inschrift an der Ostseite des Turmes, dass "am Montag nach Margaretha im Jahre 1445 vom Steinmetzemeister Nikolaus von Edelspitz mit diesem Bau begonnen wurde". Das Fertigstellungsdatum finden wir mit 1448 an der Nordseite des Turmes angegeben. Niklas stammte wahrscheinlich aus dem Freihof Enclins, der bereits 1328 in Edelspitz genannt ist. Außer dem Umbau des Znaimer Rathauses, das aber durch verschiedene weitere Um und Zubauten bzw. Restaurierungen nicht mehr im Aussehen des 15. Jahrhunderts erhalten ist, und dem Rathausturm dürfte Meister Niklas am Bau des Pardubitzer Schlosses beschäftigt gewesen sein, wo sein Steinmetzezeichen zwei gekreuzte Richtscheite wie unter der Inschrift an der Ostseite des Znaimer Rathausturmes vorhanden ist. Man schreibt ihm auch das grüne Tor in Pardubitz zu, doch lässt sich nicht nachweisen, ob er diesen Bau wirklich ausgeführt hat. überdies hätte er im Jahr 1507 mehr als achtzig Jahre alt sein müssen. Nachweisbar von ihm stammt aber das über dem romanischen Chor aufgebaute hohe Presbyterium in Klosterbruck und der Kreuzgang, die St.Wolfgangkirche in Gnadlersdorf und das Presbyterium der St.Niklaskirche in Znaim. Vermutlich war er auch beim Umbau der Michaelerkirche in Znaim (1472 bis 1495) beschäftigt, dann scheint er der Erbauer des Turmhelmes der Kornitzer Kirche zu sein. Die Verwandtschaft der Helmbildung dieses Turmes und des Znaimer Rathausturmes ist zu auffallend. Eine ähnlichkeit e ' t sich auch mit dem Turmhelm des Rathauses in Olmütz. Das gotische Sakr in St.Niklas und die einmalig schöne gotische Gedenksäule dürften nach seinen Zeichnungen von seinen Schülern ausgeführt worden sein. Hinter dem Hauptaltar der St.Niklaskirche findet man als Schlussstein sein Porträt, das in Gips abgegossen, oberhalb des Einganges ins Lapidarium des Znaimer Museums eingefügt wurde. Nach der Meinung mancher Kunsthistoriker war Meister Niklas auch an Arbeiten im Innern des St.StephansDomes in Wien beschäftigt. Bleiben wir im Prämonstratenser-Stift Bruck. Hier finden wir in den Jahren von 1572 bis zu seinem Tode im Mai 1585 einen für Südmähren ganz besonders wichtigen Mann, nämlich den Abt Sebastian I. Freitag von Czepiroch und Dürnbach, der wie es Hans Zuckriegl in seinem 1990 erschienenen Buch "Die Znaimer Gurke" ausführlich schildert in unserer Heimat den Gurkenanbau wesentlich förderte, indem er ausgesuchte gute Gurkensamen von ungarischen Klostergütern nach Südmähren bringen und an die Untertanen des Stiftes verteilen ließ. Abt Sebastian I. verbesserte dadurch die Landwirtschaft, er legte eine systematische Bibliothek an und gründete die Buchdruckerei, die bis zur Aufhebung des Klosters 1784 zu den bedeutendsten dieser Zeit gehörte, Reiters als erstes Erziehungsinstitut in Mähren ein Seminar für studierende Knaben, in welchem ab 1575 auch praktischer und theoretischer Musikunterricht erteilt wurde. Er legte somit den Grundstein für Musikpflege in Südmähren, sorgte für gute Kirchenmusik in Bruck und bei St.Niklas und ließ sogar Künstler aus Wien und aus Italien kommen, um schöne Musik zu hören. All dies konnte er nur unter Verwendung seines eigenen Vermögens erreichen, ebenso wie er den nach den Hussitenstürmen dringend notwendig gewordenen Wiederaufbau des Stiftes aus eigenen Mitteln bezahlte. Sebastian Freitag war ein wohlhabender Mann ehe er ins Prämonstratenser-Kloster Bruck eintrat. Einer alten adeligen Familie entstammend und wegen seiner hervorragenden Gelehrsamkeit er war auch Doktor der Rechte zum Erzieher des späteren Kaisers Rudolph II. erwählt, wurde er in dieser hohen Stellung auch zu Staatsgeschäften herangezogen. Als Mitglied der Jerusalem-Ritter diente er in der Flotte der Venezianer und kehrte als General unter dem siegreichen Don Juan d´Austria 1571 aus der Seeschlacht bei Lepanto gegen die Türken heim. Die Venezianer feierten seine Tapferkeit durch Errichtung einer Ehrensäule. Im Jahre 1572 trat er als Novize in den Orden der Prämonstratenser in Bruck ein und wurde nach Ablegung der Profess bereits im gleichen Jahr einstimmig zum Abt gewählt. Ungefähr ein Menschenalter später war ein weiterer Kirchenmann für Südmähren bedeutsam: Kardinal Franz I. von Dietrichstein, geboren am 22.August 1570 in Madrid, hatte engste Beziehungen zu Nikolsburg, da seine Familie seit 1575 die Herrschaft Nikolsburg besaß. Franz von Dietrichstein erhielt 1599 die Kardinalswürde, wirkte von 1599 bis 1636 als Bischof von Olmütz und war seit 1607 außerdem Präsident des Kaiserlichen Geheimen Rates. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 ernannte ihn Kaiser Ferdinand II. zum Kaiserlichen Generalkommissar und Statthalter von Mähren. Er residierte in Nikolsburg, das durch ihn einen bedeutenden Aufschwung erfuhr, und gründete hier 1625 die Propstei mit dem KollegiatKapitel. In Zuge der Gegenreformation wurden durch ihn in Mähren über 200 neue Pfarreien eingerichtet. Besondere Verdienste um das Schulwesen erwarb sich Kardinal Dietrichstein durch die Berufung der Pianisten ins Land. In Nikolsburg entstand 1631 die erste Niederlassung dieses Schulordens nördlich der Alpen. Die Gründung bedeutender Bibliotheken in Nikolsburg und Kremsier geht ebenfalls auf diesen Kardinal zurück. Er starb am 19.September 1636 in Brünn und wurde in der Bischofakirche in Olmütz beigesetzt. Gehen wir von dem mit Nikolsburg eng verbundenen Staatsmann Kardinal Franz`2. von Dietrichstein zu dem in Nikolsburg geborenen Staatsmann Josef Freiherr von Sonnenfels weiter. Sein Vater Lipman Perlin kam von Berlin über Eisenstadt nach Nikolsburg, wo 1733 sein Sohn Josef geboren wurde. Im Jahre 1738 trat die Familie zum Katholizismus über, nahm den Familiennamen Wiener an und übersiedelte 1745 nach Wien, wo der Vater Alois Wiener als Lehrer morgenländischer Sprachen an der Universität tätig war. Dieser wurde von Maria Theresia 1746 in den Freiherrenstand mit dem Namen von Sonnenfels erhoben. Josef von Sonnenfels, Jurist, wurde 1763 Professor für Polizei und Kameralwissenschaften (Staatswissenschaften) an der Wiener Universität. Als solcher verfasste er das grundlegende Lehrbuch "Grundsätze der Polizei, Handlungs- und Finanzwissenschaft", als Literaturfreund gab er kritische Zeitschriften heraus, wie "Mann ohne Vorurteil", in der er rücksichtslos die Fehler aller Gesellschaftsschichten aufzeigte, und die "Briefe über die Wienerische Schaubühne", in welchen er den Hanswurst des Wiener Theaters bekämpfte. Im Jahre 1770 wurde Sonnenfels zum Zensor des deutschen Theaters ernannt und in die Bücherzensurkommission und in die Studienhofkommission berufen. Er war für Kaiser Joseph II. einer der wichtigsten Mitstreiter bei der Abschaffung der Folter, Reformierung des österreichischen Schulwesens, des Theaters sowie bei der Gründung des Burgtheaters. Sonnenfels war Hofrat der Hofkanzlei und Vizepräsident der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er 1817 starb. Sein Bruder Franz Freiherr von Sonnenfels, fürstlicher und kaiserlicher Hofrat, geboren 1735 in Nikolsburg, blieb zeitlebens mit seiner Vaterstadt verbunden und vermachte sein ganz beträchtliches Vermögen der Stadt und Herrschaft Nikolsburg. Er starb 1806 in Troppau. Ebenfalls in Nikolsburg geboren wurde Floridus Johann Leeb, und zwar am 5.Mai 1731. Nach den Gymnasialstudien in seiner Heimatstadt trat er 1749 in das CIugustinerCho.rherrenstift Klosterneuburg ein, 1755 zum Priester geweiht, wurde er Stiftsbibliothekar, promovierte 1765 zum Doktor der Theologie, wurde 1770 Stiftsdechant, 1782 Propst des Stiftes Klosterneuburg und 1786 Rektor der Universität Wien. Es gelang ihm, die von Joseph II. vorgesehene Aufhebung des Stiftes zu verhindern. Im heutigen 21. Wiener Gemeindebezirk stellte er 1785 armen Leuten kostenlos Stifts-Grundstücke zur Verfügung, die in Dankbarkeit ihre neue Siedlung ihm zu Ehren "Floridsdorf" nannten. Floridus Leeb starb am 13.August 1799. Kehren wir nochmals ins 18. Jahrhundert nach Znaim zurück, wo wir den am 26.März 1698 in Senftenberg im Adlergebirge geborenen und 1720 ins Prämonstratenser-Stift Bruck eingetretenen und in der Folge hier in dem von Abt Sebastian I. Freitag gegründeten Alumnat als Professor wirkenden Prokop Diwisch finden. In Znaim besuchte er bereits das Jesuitengymnasium, in dessen "Schulalbum" er als Wenzeslaus Dibisch aufscheint. Seine Priesterweihe erfolgte 1726, zum Doktor der Theologie promovierte er 1733 und wurde. 1741 Prior des Stiftes, dann Pfarrer von Brenditz, das zu Bruck gehörte. Hier erfand er 1754 den ersten Blitzableiter (Wettermaschine) unabhängig von Benjamin Franklin und einige Jahre vor ihm. Seine Erfindung wurde von der Akademie der Wissenschaften in Berlin, deren Präses, dem bekannten Mathematiker Professor Euler, er eine genaue Abhandlung samt ausführlichen Zeichnungen übersandt hatte, überhaupt nicht beachtet und fand auch bei den Mathematikern am Hof von Kaiser Franz I. kein Verständnis. Erst seinem Freund, dem evangelischen Geistlichen und Naturforscher Friedrich Christoph Oetinger ist es zu verdanken, dass seine Abhandlung "Die längst verlangte Theorie von der meteorologischen Electricite" 1765 in Tübingen erschien. Im gleichen Jahr, am 22.Dezember, starb Prokop Diwisch in Brenditz. Er war auch Mathematiker, Erforscher der Elektro-Heilmethoden, somit Begründer der Elektroheiltherapie, und Musiker, der sogar ein orgelartiges Musikinstrument erfand, das er wie Anton Hübner schreibt nach seinem weltlichen Namen Dionis "Denis d'Or" benannte, und das bei Aufhebung des Stiftes Klosterbruck auf 100 Dukaten geschätzt und wegen seiner Originalität in das k.k. Kunstkabinett eingeliefert werden musste. Der Erfinder hatte aber nur den damaligen und letzten Stiftsorganisten Wiesner in die Handhabung dieses Instrumentes eingeführt. Wiesner kam als Organist an die Kirche am Hof in Wien und erhielt über Veranlassung Kaiser Josephs II. das Instrument. Leider ist mit Wiesners Tod jede weitere Nachricht über das Instrument verloren gegangen. Experimentierte um die Mitte des 18.Jahrhunderts Prokop Diwisch mit der Elektrizität, war es fünfzig Jahre später ebenfalls in Znaim Zacharias (auch Zachäus) Andreas Winzler, der sich mit der Erzeugung und Verwendung des Gases befasste. Geboren wurde er am 23.August 1750 in Unlingen in Schwaben, unweit von Riedlingen a.d.Donau, das damals zu Vorderösterreich gehörte. Er studierte zuerst Theologie, dann Medizin, vor allem aber Chemie und Mineralogie, was er besonders für die Salpetergewinnung, die sein Vater betrieb, brauchte. Selbst auch ständig mit der Verbesserung der Salpetererzeugung beschäftigt, gelangte er vermutlich über das Banat, über Varasdin und über verschiedene Wirkungsstätten in Deutschland nach Wien, bis er am 1.März 1800 mit Vinzenzia Seher, der Witwe des Salnitererzeugers Leopold Seher, einen Kaufvertrag über die vor dem "Untertor" der königlichen Kreisstadt Znaim gelegene Salnitersiederei und Plantage abschloss. Von nun an sein eigener Herr konnte sich Winzler immer mehr der wirtschaftlichen Ausnützung der Brennstoffe in den Feuerungsanlagen zuwenden. Bedingt durch den in Europa immer fühlbarer werdenden Holzmangel versuchten immer mehr Techniker, durch Verkohlung von Holz ein brennbares Gas zu erzeugen und somit sparsam zu heizen, zu beleuchten und neben der Holzkohle auch noch wertvolle Nebenprodukte zu gewinnen. In Frankreich war es der Ingenieur Philippe Lebon, bei uns eben Winzler in Znaim; beide nannten ihre Erfindung Thermolampe. Von Winzler erschien 1803 bei Siedler in Brünn eine Abhandlung unter folgendem Titel: "Die Thermolampe in Deutschland; oder: vollständige, sowohl theoretisch als praktische Anleitung, den ursprünglich in Frankreich erfundenen, nun aber auch in Deutschland entdeckten Universal-LeuchtHeizKochSudDestillir und Sparofen zu errichten. Entdeckt und verfasst von Zach.Andr. Winzler, der freien Künste und Weltweisheit Doktor, auch Eigentümer einer k.k. autorisierten Salpeterplantage zu Znaim in Mähren". Unter dem Begriff Thermolampe muss man sich ein kleines Gaswerk für den Hausgebrauch vorstellen, das eben nicht nur für Beleuchtung sorgt. Winzler hatte bereits im September 1801 seine Thermolampe in seinem Haus aufgestellt und wie er in einem Brief mitteilt ihre Wirkung dem Urteil des Publikums der Stadt Znaim unterworfen. Eine solche Lampe stellte er auch in der Wohnung des damaligen Kreishauptmannes Vinzenz Edler von Rosenzweig auf, ebenso in der Znaimer Kaserne. Auf Veranlassung des k.k. Feldzeugmeisters in Brünn, Graf Baillet de Latour, wurde diese Lampe in der Znaimer Kaserne (Znaimer Burg) zum Beheizen der Zimmer und zur Bereitung des Essens für 50 bis 60 Mann verwendet. General Froon studierte über Befehl des Feldmarschalls Erzherzog Karl diese Einrichtung in Znaim. Trotz der durch die Napoleonischen Kriege verursachten Rückschläge fanden Winzlers Thermolampen in höchsten Regierungskreisen Anerkennung und in sämtlichen Habsburgischen Erblanden Abnehmer, und zwar als Verkohlungsofen auch in verschiedenen Gewerbe und Industriebetrieben wie Kattunfabriken, Eisenhütten, Hammerwerken, Ziegel und Kalkbrennereien. Nach dem tragischen Tod seiner Frau im Juli 1808, sie stürzte in einen mit einer kochenden Flüssigkeit gefüllten Kessel in seiner Fabrik, dürfte Winzler von Znaim weggedrängt haben. Er könnte sich bereits 1810 in Wien aufgehalten und vielleicht zeitweilig seinen Wohnsitz nach Klosterneuburg verlegt haben. Nach den heutigen Begriffen hatte Winzler 1812 in Wien ein Ingenieurbüro für Feuerungsanlagen eröffnet. Wir kennen sein weiteres Leben nicht 1816 findet sich ein letzter Hinweis auf seine Anwesenheit anlässlich der Aufstellung einer Thermolampe in Slowenien ; es ist auch bis heute unbekannt, wo und wann Winzlers ereignisreiches Leben zu Ende ging. Der guten Ordnung halber sei noch angeführt, dass sogar in einigen technischen Abhandlungen Zacharias Andreas Winzler mit Friedrich Albert Winzer verwechselt wird, der bald nach 1800 nach London ging, seinen Namen auf Winsor änderte und dort die Gasbeleuchtung einführte. Heide waren nicht unbedeutende Pioniere des Gasfaches. Einen weiteren Industriepionier finden wir einige Jahre später in Nikolsburg, nämlich Johann Nepomuk Reithoffer, der sich 1791 in Feldsberg geboren nach Lehr und Wanderjahren als Schneidermeister in Nikolsburg niederließ und hier mit einer Verbindung von Textilien und Kautschuk Versuche unternahm. Nachdem die Schneiderzunft eine Konzessionserteilung für die Erzeugung wasserdichter Regenbekleidung verhinderte, ging Reithoffer nach Wien, wo er 1824 ein Unternehmen zur Erzeugung von Regenbekleidung aus Kautschukgewebe gründete. Die noch heute existierenden Firmen Reithoffer und Semperit basieren auf der Erfindung dieses genialen Mannes, welcher der Erfinder der Kautschukweberei und der erste Gummiwarenfabrikant gewesen ist. Reithoffer starb im Jahre 1872. Wenden wir uns von den Erfindern den Naturforschern zu. Der zu den größten Biologen zählende Johann Gregor Mendel, geboren am 22.Juli 1822 in Heinzendorf bei Odrau im Kuhländchen (Nordmähren), studierte Philosophie in Olmütz, trat 1843 in den Augustinerorden in Alt-Brünn ein, war von 1849 bis 1851 "subplierender Gymnasiallehrer" für naturwissenschaftliche Fächer am Gymnasium in Znaim, bezog anschließend für drei Jahre die Universität Wien und kehrte 1854 als Lehrer an die Staatsrealschule in Brünn zurück, an der er bis zu seiner einstimmig erfolgten Wahl zum Abt des Augustinerstiftes in Altbrünn im Jahre 1868 unterrichtete. Im Garten dieses Klosters führte er seine berühmten Kreuzungsversuche mit Erbsen, Bohnen und anderen Pflanzen durch. Seine ersten diesbezüglichen Versuche mit Erbsen und Fisolen erfolgten jedoch im Schulgarten unseres Znaimer Gymnasiums in der Schulgasse, in welchem wir bis 1944 unterrichtet wurden. Unser Biologieprofessor hat uns immer wieder darauf und auf die Bedeutung dieses Forschers hingewiesen. Aus den Ergebnissen der Kreuzungen konnte Mendel Vererbungsgesetze ableiten, eine neue Wissenschaft, die zur Grundlage der experimentellen Genetik wurde. Er stellte bestimmte Gesetzmäßigkeiten fest, die nach ihm Mendelsche Regeln genannt Werden. Seine Entdeckung, die er 1865 in der Schrift "Versuche über Pflanzenhybriden" (unter Hybriden versteht man Pflanzenbastarde) veröffentlichte, blieb von der Wissenschaft unbeachtet und geriet bald in Vergessenheit. Seine Arbeit wurde im Jahre 1900 von drei Forschern, nämlich dem Holländer Hugo de Vries, dem Deutschen Carl Correns und dem österreicher Erich Tschermak Edler von Seysenegg, unabhängig voneinander fast gleichzeitig wiederentdeckt. Der Schöpfer der Vererbungslehre, der sich auch mit Bienenzucht befasste sein Ziel war eine leistungsfähige neue Bienenrasse starb am 6.Jänner 188¢ und wurde am Brünner Zentralfriedhof in der Gruft der Kommende beigesetzt. Seine Büste wurde 1983 in der Walhalla bei Regensburg aufgestellt, was unter anderem auf die Initiative der Sudetendeutschen Ackermann-Gemeinde und der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Deutschland zurückzuführen ist. Eng befreundet mit Johann Gregor Mendel war der Naturforscher und Botaniker Professor Adolf Oborny. Geboren 1840 in Altstadt in Nordmähren, studierte er in Brünn, wurde hier Lehrer an der Staatsrealschule, wo er in den Jahren 1865 bis 1868 Kollege Mendels im Lehrkörper war. Gemeinsames Wirken und Forschen verband beide auch nach dem Ausscheiden Pendels aus dem Unterrichtsfach. Oborny wurde 1871 zum definitiven Professor an der Landesoberrealschule in Znaim ernannt, wo er dann 27 Jahre ohne Unterbrechung verblieb. Nachdem er einige Jahre als Schuldirektor in Leipnik gewirkt hatte, verbrachte er auch seine Pensionsjahre in Znaim, dem Südmähren zur Heimat wurde. Er schrieb über die Flora des Znaimer Bezirkes und des Landes Mähren und galt als unerreichter Kenner der Habichtskräuter, Moose und Flechten. Der in ganz Europa in seinem Fach bekannte Forscher, der bis zuletzt mit namhaften Vertretern der Wissenschaft in reger Verbindung stand, starb am 28.April 1924, in Znaim. Nach den bedeutenden Männern der Naturwissenschaften kommen wir nun zu dem wohl bekanntesten Südmährer, zu dessen Kreis während seines ereignisreichen Lebens wohl die bedeutendsten Persönlichkeiten aus Kirche, Kunst? Wissenschaft und Politik in halb Europa gehörten. P.Klemens Maria Hofbauer, geboren am 26.Dezember 1751 in Taßwitz bei Znaim, kam als Lehrling zum Znaimer Bäckermeister Dobich (in anderer Schreibweise Dobsch) am Ottokarplatz, dann als Bäcker ins Stift Klosterbruck. Hier besuchte er die Klosterschule, bezog die Einsiedelei "Guckethay" bei Mühlfraun, unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom, wo er nach Absolvierung der theologischen Studien 1784 in die Kongregation der Redemptoristen eintrat und zum Priester geweiht wurde. Im Jahre 1787 übernahm er in Warschau die Kirche St.Benno und entfaltete hier für Deutsche und Polen als Reformer der Seelsorge, der Schule und der Caritas eine segensreiche Tätigkeit. In Rom ernannte man ihn zum Generalvikar des Redemptoristenordens im Gebiet nördlich der Alpen, doch 1808 wurde er aus Polen ausgewiesen. Nach Ordensgründungen in Deutschland und in der Schweiz kam er nach Wien, wo er an der Minoritenkirche und bei St.Ursula wirkte und zum geistigen Führer der katholischen Erneuerung, zum Akademikerseelsorger (Hofbauerkreis) und zur Zentralgestalt des Romantikerkreises (darunter Friedrich Schlegel, Zacharias Werner, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff) wurde. Von Kaiser Franz I. erreichte er die Zulassung des Redemptoristenordens in österreich und die Zuweisung der Kirche "Maria am Gestade". Hofbauer prägte das katholische Leben Wiens und österreichs auf lange Zeit. Er starb am 15.März 1820 in Wien; seine Gebeine befinden sich seit 1860 in der Kirche "Maria am Gestade". Klemens Maria Hofbauer wurde 1888 selig und 1909 heilig gesprochen; Papst Pius X. erklärte ihn 1914 zum Stadtpatron von Wien. Er ist auch einer der heiligen Patrone des Bistums Brünn, einziger aus Mähren stammender Heiliger und Heimatpatron der Südmährer. Kardinal König weihte 1977 eine von den Südmährern geschaffene Gedächtnisstätte zu Ehren des südmährischen Heiligen in der Kirche St.Marien in Geislingen-Altenstadt. Ungefähr 40 Jahre nach Klemens Maria Hofbauer wurde in Südmähren ein Mann geboren, der als Dichter beider Hemisphären in die Literaturgeschichte eingehen sollte: Charles Sealsfield, der als Karl Postl am 3.März 1793 in Poppitz bei Znaim als Sohn des dortigen Ortsrichters geboren wurde. Er besuchte das Gymnasium in Znaim, trat in den Kreuzherrenorden in Prag ein und wurde 1814 zum Priester geweiht. 1823 entfloh er aus Europa und tauchte unter dem Namen Charles Sealsfield (Siegelfelder hieß eine Gemarkung in Poppitz) in New Orleans auf. Er bereiste ganz Amerika, arbeitete als Journalist und schrieb erfolgreiche Romane, deren Helden nicht Einzelpersonen sind, sondern ein ganzes Volk. Er lebte in Mexiko, in Texas und in New York bis er sich 1832, nur unterbrochen von drei weiteren Reisen nach Amerika, bei Solothurn in der Schweiz niederließ. Auch hier lebte dieser bedeutende realistische Erzähler, der in seinen Werken politische Missstände scharf kritisierte, als der große Unbekannte bis zu seinem Tode am 26.Mai 1864. Erst aus seinem Testament er setzte seine Verwandten in Poppitz zu Erben ein konnte die Identität des berühmten Reiseschriftstellers mit dem verschollenen Karl Postl festgestellt werden. Zu seinen Hauptwerken zählen "Die Vereinigten Staaten von Nordamerika", österreich wie. es ist", "Lebensbilder aus beiden Hemisphären", 'Neue Land und Seebilder", "Das Kajütenbuch", "Süden und Norden". Der Ordnung halber wäre noch zu erwähnen, dass Marie von Ebner-Eschenbach, eine der größten Dichterinnen im deutschsprachigen Raum, 1830 auf Schloss Zdislawitz in Mähren als Gräfin Dubsky geboren, mit ihrem Gatten, einem Berufsoffizier, einige Jahre in Znaim lebte. Sicher wird diese realistische Schilderung des Lebens und der Landschaft auch in Südmähren zu einigen ihrer Erzählungen und Romane angeregt worden sein. Dem wohl berühmtesten südmährischen Schriftsteller Charles Sealsfield lassen wir nun den bedeutendsten südmährischen Dichter folgen, unseren Heimat und Mundartdichter Professor Dr.Karl Bacher. Am 10.Feber 1884 in Waltrowitz geboren, besuchte er das Gymnasium in Znaim, studierte an der Universität Wien Germanistik und erwarb 1911 die Doktorwürde an der philosophischen Fakultät mit der Dissertation über syntaktische Probleme seines Heimatdialektes. Er unterrichtete an Wiener Gymnasien und von 1938 bis 1945 an der Oberschule für Jungen in Znaim, deren letzter Direktor er vor der Vertreibung war. Nach der Vertreibung aus der Heimat lebte er in Steyr, wo er am 8.Juli 1954 starb. Seine formschönen Gedichte erschienen in mehreren Bänden, wie "Südmährische Gedichte", "Neue Südmährische Gedichte", "Zeitige Aehan", "Les´weinbeer", "A Loabl Brot von dahoam", "Ausklabte äpfeln", "Herdfeuer vo dahoam". Sein dramatisches Schaffen umfasst Bauernspiele, Tragödien und Komödien, wie z.B. "Mutter", "Meier Helmbrecht", "Der Landrichter von Urbau", "Die Gnade". Er schrieb teils in Mundart, teils hochdeutsch. Eine persönliche Erinnerung möchte ich hier anführen. Bacher bestand darauf, dass die erste Aufführung seines Bauerndramas "Meier Helmbrecht" in Znaim als Aufführung für Schüler am Nachmittag im Stadttheater stattfindet. Es war eine wunderbare Aufführung. Ein sehr gerührter Dichter dankte für den begeisterten Applaus seiner Schüler. Nach seinem Tod erschien aus seinem Nachlass "Dos Liad vo der Thaya", ein Epos in südmährischer Mundart, das er leider nicht mehr vollenden konnte. Bachers Werke sind von einer tiefen Liebe zu seiner südmährischen Heimat geprägt, er zählt zweifellos zu den bedeutendsten Mundartdichtern des bayrisch-österreichischen Sprachraumes. Wenden wir uns nun einem Schriftsteller zu, der zwar als Tornisterkind in keiner Stadt längere Zeit verblieb, aber Znaim und Südmähren doch sehr oft in seinen Romanen und Erzählungen beschrieben hat. Es handelt sich um Bruno Brehm, geboren am 23.Juli 1892 in Laibach. Bald übersiedelte die Offiziersfamilie über Prag und Eger 1904 nach Znaim, wo er für ihn bedeutende Jahre verbrachte, wie man seinen Schilderungen des Lebens in dieser Stadt entnehmen kann. Im Jahre 1912 entschloss sich Brehm, wie sein Vater Berufsoffizier zu werden. Nach Verwundung, russischer Kriegsgefangenschaft, 1916 als Schwerverwunderter ausgetauscht, neuerlichem Einsatz an der Südfront und abermaliger Verwundung studierte er in Wien Kunstgeschichte, promovierte 1922 zum Doktor der Philosophie und lebte als freier Schriftsteller in Wien und nach Kriegsdienst zwischen 1941 und 1944 ab 1950 in Alt Aussee, wo er 1974 starb. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Trilogie "Apis und Este" "Das war das Ende" "Weder Kaiser noch König", später zusammengefasst unter. dem Titel "Die Throne stürzen", "Zu früh zu spät", "Auf Wiedersehen Susanne", "Heimat ist Arbeit", "Die weiße Adlerfeder", "Aus der Reitschule”, in den Werken "Der lachende Gott" später unter dem Titel "Der fremde Gott" neu herausgegeben "Das gelbe Ahornblatt", "Die sanfte Gewalt" und "Heimat in Böhmen" beschrieb er auch Begebenheiten aus Znaim. In seinen Romanen und Erzählungen schilderte Brehm, dem Geschichte, Kunst und Literatur der ehemaligen Kronländer aus eigener Anschauung wohl bekannt waren, die Welt des alten österreichs besonders des Militärs. Trotz verschiedener Strömungen gegen ihn nach dem letzten Weltkrieg erhielt Bruno Brehm verdiente Ehrungen, wie den Sudetendeutschen Kulturpreis, den Peter Rosegger-Preis des Landes Steiermark, den Professorentitel und die Prinz Eugen-Medaille der Stadt Wien. Als südmährische Heimatschriftstellerin ist auch Blanche Kübeck zu nennen, die 1873 als Tochter des Reichs und Landtagsabgeordneten Mac Freiherr von Kübeck in Wien geboren wurde, jedoch oft auf dem Familiengut Lechwitz wohnte, wenn sie von ihren ausgedehnten Reisen durch Europa, Nordafrika und Kleinasien zurückkehrte. In ihren Stimmungsbildern, wie "Frühlingsstadt!' (Znaim), "Fischer von Erlach in Südmähren" (Frain), "Eingrub und Feldsberg", "Barock in Mähren" (Nikolsburg), "Südmährische Motive" (Znaim, Klosterbruck, Lechwitz), "Winterbild" kann man unsere Heimat im ersten Drittel unseres Jahrhunderts anschaulich erleben. Blanche Kübeck war Mitarbeiterin verschiedener angesehener Zeitungen wie z.B. "Neue freie Presse" und "Wiener Tagblatt". Kommen wir nun zur bildenden Kunst in Südmähren. Der Maler Franz Anton Maulpertsch, der wohl bedeutendste Künstler des ausgehenden österreichischen Barock, geboren 1724 in Langenargen am Bodensee, gestorben 1796 in Wien, wo er seit 1739 ansässig und seit 1770 Professor an der Akademie war, schuf unter anderem das Hochaltarbild "Heiliger Hyppolyt" und die Fresken in der Kuppel der Propsteikirche Pöltenberg, das Hochaltarbild in der Dominikanerkirche in Znaim, "Das letzte Abendmahl" für das Refektorium, Fresken im Sommersaal und in der Bibliothek des Stiftes Klosterbruck, das Altarbild "H1.Johann Nepomuk" in der Piaristenkirche in Nikolsburg, Altarblätter für die Kirchen in Frain, Proßmeritz, Erdberg, Urbau und die wunderbaren Deckenfresken in der Kirche in Mühlfraun und in der Piaristenkirche in Nikolsburg. Der Maler Michael Johann Fisée aus Antwerpen, der längere Zeit im Stift Klosterbruck beschäftigt war, schuf die Fresken im Rundsaal und in der Kapelle der Znaimer Burg, im Dominikanerkloster und in der Kirche St.Michael in Znaim sowie in der Kirche in Lechwitz. Er starb 1726 in Znaim. Vom Maler Johann Michael Rottmayr, einem der angesehensten und meistbeschäftigten Barockmaler, geboren 1654 in Laufen in Bayern, gestorben 1730 in Wien, stammen die KolossalFresken im Ahnensaal des Schlosses Frain und das Deckengemälde in der Schloßkirche in Frain. Zur Znaimer Künstlerfamilie Winterhalter zählten im 18.Jahrhundert die Bildhauer Johann (Arbeiten am Hochaltar der Thomaskirche in Brünn), Josef Anton, geb. 1766 in Znaim (die einmalige Kanzel bei St.Niklas in Znaim in Form der Weltkugel, Arbeiten im Sommersaal des Stiftes Klosterbruck und im Stift zu KlosterHradisch), Michael (Genien und Vasen an der großen Treppe der Prälatur in KlosterHradisch). Josef Anton war der bedeutendste unter den drei Brüdern; ihm halfen bei vielen Arbeiten Johann und Michael sowie der Maler und Stuckateur Josef, geboren 1750, gestorben 1807 in Znaim, Schüler von Maulpertach. Josef schuf Bilder in folgenden südmährischen Kirchen: Luggau, Fröschau, Naschetitz, GroßOlkowitz, Waltrowitz, Schattau, KleinTajax, Kallendorf, Urbau,Selletitz, bei den Dominikanern in Znaim, Mühlfraun, Pöltenberg. Fresken von ihm sind in Kallendorf, Proßmeritz und über dem Taufbecken in der Kirche in Lechwitz zu finden. Zu Beginn der Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts siedelte sich die Künstlerfamilie Charlemont in Znaim an. Der Vater Adolf, geboren 1820 in Brünn, gestorben 1872 in Wien, war Lehrer an der Genie-Akademie (vergleichbar mit einer Pioniertruppenschule) in Klosterbruck und ein bekannter Porträtist in Znaim. Von seinen vier Söhnen wurde der älteste Rudolf, Offizier, Eduard, geboren am 3.August 1848 in Wien, Schüler und Mitarbeiter Makarts, ein bedeutender Maler, der auch in Paris und Wien, wo er am 7.Feber 1906 starb, Anerkennung fand. Auch Hugo, geboren am 18.März 1850 in Jamnitz, hatte als Maler einen guten Ruf, er schuf z.B. für die Büffets des Wiener Burgtheaters die Deckenbilder und im Naturhistorischen Museum in Wien die Bilder "Das Salzbergwerk in Wielimka" und "Der Marmorbruch in Carrara". Er starb am 18.Juli 1939 in Wien. Der vierte Sohn Theodor, geboren am 1.Jänner 1859 in Znaim, wurde Bildhauer; von ihm stammt unter anderem das 1910 errichtete Denkmal für Gregor Mendel im Alt-Brünner Augustinerkloster. Er starb 1938. Einer der ganz großen Maler der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts war Theodor von Hörmann, geboren am 13.Dezember 1840 in Imst in Tirol. In jungen Jahren Offizier, begann er erst als Vierzigjähriger mit dem Studium der Malerei bei Feuerbach und Lichtenfels in Wien, kam als Zeichenlehrer an die Offizierschule nach St.Pölten, unternahm Studienreisen, war gemeinsam mit Gustav Klimt einer der Mitbegründer der Wiener Sezession und ließ sich schließlich in Znaim nieder, wo er im Thayadorf im Gasthof Fasching eine Wohnung bezog. Der begeisterte Naturbeobachter hat wie kein anderer eine Fülle von Motiven von Znaim und seiner Umgebung naturgetreu wiedergegeben. So verdanken wir ihm, dass unsere Heimat in seinen zum Teil berühmt gewordenen Landschaftsbildern in der Welt bekannt wurde. In seine Znaimer Zeit fällt der Höhepunkt in seinem Schaffen; unter anderen entstanden folgende Bilder: "Znaim im Winter" (es befindet sich in der Galerie des 19.Jahrhunderts im Wiener Belvedere), "Das große Esparsettefeld bei Znaim", "Wintersonne in Znaim", "Schlittschuhläufer bei Lundenburg","Unter Blüten", "Des Kranken Morgenfreude", "Nach dem Eisgange", "Regentag", "Ausblick über Felder", "Weg durch Esparsettefelder", "In den Obstgärten von Znaim zur Zeit der Blüte", "Weingärten in Znaim", "Pdohnfeld", "Zur Zeit der Fliederblüte". Theodor vom Hörmann starb am 1.Juli 1895 in Graz. Der in Znaim am 6.Jänner 1871 geborene Maler Professor Alexander Pock hat seine Heimat in vielen schönen Bildern festgehalten, jedoch allgemein berühmt wurde er als Historien und Militärmaler. Die bis in kleinste Einzelheiten getreue Wiedergabe der Uniformen, Dienstgrade, Auszeichnungen und Fahnen sowie die einmalige Darstellung von Tieren, besonders von Pferden, begründeten seinen Ruhm in der ganzen Donaumonarchie und deren Nachfolgestaaten. Pock starb am 19.November 1950 in Wien. Ein weiterer berühmt gewordener Sohn seiner Heimatstadt Znaim war der am 16.November 1871 geborene Professor Dr.h.c. Hugo Lederer, einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit. Seine Ausbildung begann er an der Znaimer Fachschule für Tonindustrie und verwandte Gewerbe, anschließend war er drei Jahre lang in einem Erfurter Kunstgewerbeatelier und von 1890 bis 1892 beim berühmten Bildhauer Johannes Schilling in Dresden, hernach in Berlin. Seit 1915 lehrte er an der dortigen Akademie. Er schuf hauptsächlich Denkmäler von kompakter plastischer Geschlossenheit in klaren einfachen Formen. Seine erste Arbeit war das Relief der beiden Lützowschen Reiter, die traurig das leere Pferd eines dritten Husaren mit sich führen. Schon bei diesem Werk erweckte die Art der Modellierung Aufsehen. Zu seinen Werken zählt vor allem das monumentale BismarckDenkmal in Hamburg, der Fechter in Breslau, Kriegerdenkmäler in Berlin und Eisenach, Büsten von Richard Wagner, Max Planck sowie Denkmäler berühmter Männer. Hugo Lederer starb am 1.August 1940 in Berlin. An dieser Stelle, nach dem Militärmaler Pock und dem Bildhauer Lederer, der viele Denkmäler schuf, möchte ich auf einen berühmten Südmährer verweisen, zumal man bereits nach dem Ersten Weltkrieg den nach ihm in Znaim benannten Platz einem anderen widmete und sein Denkmal in ein Siegesdenkmal umgewandelt hat. Ich meine Oberst Karl von Kopal, der am 3.Feber 1788 in Schidrowitz geboren wurde. Nach dem Studium am Gymnasium in Znaim und an der Realschule in Nikolsburg trat er als Gemeiner in das Infanterieregiment 22 ein, nahm an der Schlacht bei Austerlitz teil, machte die Feldzüge 1805, 1809 und 1813 bis 1815 mit und zeichnete sich durch seinen Mut und sein vorbildliches Verhalten aus. 1841 kam er als Oberstleutnant zum Tiroler Kaiserjägerregiment und übernahm 1846 als Oberst das Kommando über das 10.Jägerbataillon. Mit diesem Truppenkörper zog er 1848 in den Krieg gegen Italien und zeichnete sich bei der Verteidigung von Sta.Lucia und beim Sturm auf den Monte Berico bei Vicenza am 10.Juni 1848 aus. Er hatte entscheidenden Anteil insbesondere an der Einnahme der Stadt Vicenza, wurde schwer verwundet und starb nach Amputation des rechten Armes infolge Wundstarrkrampfes am 16.Juni 1848. Nach dem Tode wurde ihm das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens zuerkannt, dem Bataillon verehrte die Armee ein Silberhorn, das auf einem goldenen Schild die Worte trägt: "Monte Berico" und "Kopal ruft". Seine Gebeine wurden wegen Friedhofsauflassung von Vicenza 1978 auf den Waldfriedhof von St.Pölten überführt. Das ihm von den Znaimern am 16.Oktober 1853 gesetzte Denkmal ist ein steinerner Obelisk, die Gestalt der darüber schwebenden vergoldeten Nike mit Siegeskranz stammt von Fernkorn. Wie schon erwähnt, gründete Abt Sebastian I. bereits 1575 in Klosterbruck die erste Musikschule in Südmähren. Musik wurde in unserer Heimat immer gepflegt. Einige Musiker und Komponisten, die über Südmähren hinaus bekannt wurden, möchte ich hier erwähnen: Ferdinand Kauer, geboren als Sohn eines Lehrers am 18.Jänner 1751 in KleinTajax, war erster Geiger im Tanzorchester Marinelli in Wien, Chorleiter, Bratschist am Leopoldstädter Theater und ein zu seiner Zeit sehr geschätzter Komponist. Er schrieb über hundert Singspiele und einige Opern. Seine bekanntesten Werke sind das "Donauweibchen" und die "Sternkönigin". Er starb 1831 in Wien. Der in Wien am 15.Mai 1834 geborene Heinrich Fiby, am dortigen Konservatorium bei berühmten Lehrern in Gesang, Geige, Klavier und Kompositionslehre ausgebildet, kam 1857 nach Znaim und prägte hier bis zu seinem Tode am 17.Oktober 1917 praktisch das gesamte Musikleben der Stadt und des ganzen Bezirkes. Er gründete die Musikschule, 1861 den Musikverein und veranstaltete laufend viel beachtete Chor- und Orchesterkonzerte. Fiby war nicht nur ein ausgezeichneter Lehrer und Musiker, sondern auch ein gediegener Komponist zahlreicher Messen, Offertorien und Motetten, aber auch Operetten, Singspiele und verschiedener Chorwerke. Seine Kompositionen für Orchester, Kammermusik und verschiedene einzelne Instrumente fanden ebenfalls großen Beifall bei den Zuhörern und den selbst aus Wien angereisten Kritikern. In Nikolsburg erblickte am 31.Mai 1888 Dr.jur.Johannes Bammer das Licht der Welt, verbrachte hier die Kindheit und teilweise die Schulzeit mit der ersten musikalischen Ausbildung, die er jedoch nach dem frühen Tod seines Vaters mit einem bereits vorgesehenen Musikstudium am Wiener Konservatorium nicht abschließen konnte. Die Mutter heiratete ein zweites Mal und die Familie zog nach Leitmeritz, wo Bammer bereits mit 17 Jahren mit großem Erfolg als Pianist öffentlich auftrat. Nach der Matura studierte er in Prag Jus und gleichzeitig Musik. Auch neben seinem Beruf als Jurist in Rumburg vervollkommnete er seine musikalische Ausbildung, teils durch Selbststudium, teils durch Besuch bei namhaften Lehrern in TeplitzSchönau, Dresden und Prag. Nach der Vertreibung gelangte Bammer nach Westdeutschland, zuletzt wohnte er in Bonn, wo er am 17.März 1988, kurz vor Vollendung seines 100. Lebensjahres starb. Seine Kompositionen umfassen Kammermusik in verschiedenen Besetzungen, Klavierstücke - er schrieb für seine beiden Söhne auch eine Klavierschule - Chorwerke, vor allem aber Lieder nach Texten von Eichendorff, Heine, Rilke, Kolbenheyer und zeitgenössischen Dichtern, Kinderlieder und einen eigenen Liederzyklus. Johannes Bammer fand hohe Anerkennung für sein Werk daheim, aber auch nach schweren Jahren im Anschluß an die Vertreibung in Deutschland. Die Südmährer ehrten ihn in Geislingen durch Verleihung des Südmährischen Kulturpreises 1987. In Znaim waren auch bekannte Geigenmacher daheim, wie Lütgendorff in seinem Werk "Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart", erschienen 1922 in Frankfurt am Main, berichtet, was hier auszugsweise wiedergegeben werden soll: Hinter den Meistern in der mährischen Landeshauptstadt stehen die Geigenmacher in Znaim nur an Zahl zurück. Joseph Wassermann erreichte schon um 1785 die Höhe seiner Schaffenskraft, seine Geigen haben fast etwas Italienisches an sich, und da seine Mitbürger in der schönen, malerisch auf der Höhe des linken Thayaufers gelegenen betriebsamen Stadt seinen Wert zu schätzen wussten, kargten sie nicht mit Aufträgen, so dass er sich in Znaim recht wohl fühlen konnte. Er starb 1814. Der wohl berühmteste Geigenmacher war Johann Künzl, geboren am 3.Mai 1825 in Schönbach bei Eger, der sich - wie Lütgendorff weiter berichtet - in der Welt gut umgesehen hat und zehn Jahre lang Gehilfe bei Gabriel Lemböck in Wien war, in dessen Art er in der Folge alle seine Geigen baute; diese fielen so gut aus, dass sie selbst denen Wassermanns entschieden vorgezogen werden müssen. Künzl, der seine Werkstatt zuerst in der Kalchergasse, seit 1867 in der Unteren Böhmgasse hatte, schuf außer hervorragenden Violinen Heinrich Fiby besaß eine von ihm, die er im Ton einer alten Amati gleichstellte, - noch wertvolle Violen, Baßgeigen, Gitarren und Zithern. Seine Geigen gelten als hervorragende Konzert- und Orchesterinstrumente. Johann Künzl starb am 15.November 1903 in Znaim. Seine Werkstatt übernahm sein Neffe Anton Kreuzinger. Anton Kreuzinger, geboren am 1.Oktober 1873 in Schönbach bei Eger, ist laut Lütgendorff ein besonders strebsamer Meister und unablässig bemüht, das höchste Ziel zu erreichen. Seine Arbeit ist tadellos, der Ton sehr gut." Im 18. und 19.Jahrhundert gab es in Znaim auch Orgelbauwerkstätten, für die sich allerdings die Historiker nicht zu interessieren schienen. Weder Hübner noch Vrbka erwähnen einen Orgelbauer in Znaim oder in Südmähren. Erst seit Mitte unseres Jahrhunderts beginnen die Musikwissenschaftler Orgelbauer in der Zeit ab ungefähr 1500 zu erforschen. über Orgelbauer in Südmähren erfahren wir aus neueren Veröffentlichungen in der Zeitschrift des Mährischen Museums in Brünn. Vielleicht gibt es über die Orgelbauer u.a. deshalb nur spärliche Berichte, weil sie keine eigene Zunft hatten. Die Zunft der Zimmerleute in Znaim wollte zwar die Orgelbauer immer wieder bei sich eingliedern, aber die Orgelbauer wollten nicht, sie waren eben keine gewöhnlichen Zimmerleute. Diesbezüglich gab es sogar einige Verfahren und den Orgelbauern wurde untersagt, Gesellen auszubilden, sie durften eben laut Zunftordnung nur Gehilfen beschäftigen. Ein weiterer Grund für die Nichtbeachtung der Orgelbauer durch die zeitgenössischen Chronisten dürfte sein, dass die Orgelbauer damals keine großen Werkstätten hatten. Sie schlugen ihre Werkstatt jeweils am Auftragsort auf. Es gab mit den damaligen Beförderungsmitteln sicher Transportprobleme, allein schon wegen der Leistungsfähigkeit eines Pferde- oder Ochsengespannes. Auch hinsichtlich des Zustandes der damaligen Verkehrswege wird man lieber das Rohmaterial befördert oder dessen Zustellung in Auftrag gegeben haben als z.B. leicht zu beschädigende Orgelpfeifen heranzukarren. Man hat vielmehr an Ort und Stelle die Orgeln gebaut. Die Nachforschungen des Mährischen Museums in Brünn ergaben, dass von etwa 1736 bis 188¢ in Znaim Orgelbauer ansässig waren, die in Südmähren und im angrenzenden Niederösterreich arbeiteten und einen sehr guten Ruf besaßen. Zu den bekanntesten zählen: Ignaz Florian Casnarides, der im zweiten Drittel des 18.Jahrhunderts lebte und zwischen 1773 und 1778 gestorben sein dürfte. Zu seinen Werken zählten die Orgeln in den Dominikanerkirchen in Znaim und Retz, in der Spitalskirche in Laa an der Thaya sowie in den Pfarrkirchen von Maria Dreieichen, Weikertschlag und Kaidling. Der bekannteste unter den Orgelbauern in Znaim war Josef Silberbauer. Seine Geburtsdaten sind unbekannt; er dürfte Schüler von Casparides gewesen sein. Obwohl er in den Quellen regelmäßig als Znaimer Orgelbauer genannt wird, wurde sein Name bisher nicht in Znaimer Yatriken gefunden. Angeblich stammte er aus Großtajax, aber auch in den Fabriken dieser Gemeinde wurde der Name Silberbauer nicht gefunden. Er lebte im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und baute die Orgeln in SeefeldGroß Kadolz, Unterretzbach, Frain, Gnadendorf, Landschau, Rodingersdorf, Merkersdorf, Karnabrunn, Weinsteig, Mühlfraun, Göllersdorf, Pleißing, Grusbach, Röschitz, Pulkau, Mailberg, Großgrillowitz, Mödring, Grafendorf, Frainspitz, Rausenbruck, Schiltern und Stoitzendorf. Diese Orgel konnte er wegen Erblindung 1805 nicht mehr fertigstellen; das besorgte sein Schüler Ignaz Reinold, geboren 1777. Er vollendete die Orgel in Stoitzendorf und baute Orgeln in folgenden Pfarrkirchen: Althart, Taßwitz, Jetzelsdorf, Kleintajax, Roggendorf, Töstitz, Mühlbach, Klosterbruck, Altpetrein, Poppitz und Probitz. Sein Gehilfe und Nachfolger war Benedikt Latzl, geboren 1818. Von ihm stammen die Orgeln in Niedernondorf, Chwallatitz, Großweikersdorf, Schattau, Bergen, Zulb, Rappottenstein, Neusiedl, Großmaispitz, Datschitz, Kirchbach, Schiltern, Jamnitz, Naschetitz und Woikowitz. Wenden wir uns nun dem ereignisreichen 20.Jahrhundert zu, dessen agierende Persönlichkeiten zum Teil noch im vorigen Jahrhundert das Licht der Welt erblickten. Dr.Karl Renner, am 14.Dezember 1870 in Untertannowitz geboren, wurde er nach Studien am Gymnasium in Nilmlsburg und an der Universität Wien zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert. Er war Staatsbibliothekar der Reichsratsbibliothek, gehörte als sozialdemokratischer Abgeordneter der Volksvertretung des alten österreich und der ersten Republik an und war 19181919 Leiter der Staatskanzlei. Ob er damals als Staatskanzler alles in seiner Macht Stehende getan hat, um die kampflose überlassung DeutschSüdmährens durch rasche Aufstellung neuer Truppeneinheiten zu verhindern, mag dahingestellt bleiben. Laut der im Nachlaß des am 20.Feber 1979 in Wien verstorbenen Generals Karl Bornemann vorgefundenen Aufzeichnungen hat er sich diesbezüglich gegen seine Parteikollegen, nämlich seinen damaligen Unterstaatssekretär im Staatsamt für Heerwesen Dr.Deutsch, der dem linken Flügel der Sozialdemokratischen Partei angehörte, und gegen den damaligen Oberst und späteren Bundespräsidenten Theodor Körner, die beide für die Aufstellung von Volkswehren auf Söldnerbasis unter Soldatenräten eintraten, nicht durchgesetzt. Die zeitgerechte Verabschiedung eines entsprechenden 'Kehrgesetzes wurde durch Deutsch verhindert; wahrscheinlich im Einvernehmen mit Körner und General Boog, der als Oberbefehlshaber seit 18.November 1918 immer wieder den Befahl gab, bei Zusammentreffen mit tschechischen Verbänden keinen Widerstand zu leisten. Es dürfte bisher ungeklärt sein, in wessen Auftrag Boog diese Befehle gab. Vielleicht hätte die neugebildete deutschösterreichische Regierung bei einer Verteidigung der durch den Waffenstillstandsvertrag berechtigten Gebietsansprüche in DeutschSüdmähren eine andere Entscheidung in St.Germain bewirken können. Renner war in der ersten Republik nach seinem Ausscheiden aus der Regierung Mitglied und zeitweise auch Präsident des Nationalrates. Nach dem 2.Weltkrieg war er Leiter der provisorischen Regierung und ab Dezember 1945 bis zu seinem Tode am 31.Dezember 1950 Bundespräsident. Renner veröffentlichte schöngeistige Werke, politische Schriften und seine Lebenserinnerungen "An der Wende zweier Zeiten". Nicht ganz verständlich mutet einen jedoch seine eines Südmährers Ausdrucksweise in seinem als Staatskanzler 1945 geschriebenen Bericht über "Drei Monate Aufbauarbeit der provisorischen Staatsregierung der Republik österreich" an. In dem Kapitel "Das Staatsgebiet, überflutung durch Fremde" schreibt er u.a.. ..."Von Norden her, aus der Tschechoslowakei, sollen laut Bericht der Sicherheitsdirektion nach Niederösterreich allein an die 300.000 deutschsprechende Tschechoslowaken in primitivster Kleidung, ohne Geld, ohne Nahrungsmittel, kurz als Bettler, ins Land gekommen sein. Die Regierung verfügte über keine ausreichende Polizeimacht und über gar keine Grenzwache, um diesen Zustrom zurückzudämmen. Dem Vernehmen nach sind auch nach Oberösterreich nicht weniger deutschsprechende Tschechoslowaken eingebrochen. Nach Wien haben sich rund 18.000 eingeschlichen . ..." Ein weiterer Südmährer, der am 20.Apri1 1890 in Nikolsburg geborene Dr.Adolf Schärf, wurde österreichischer Bundespräsident. Da sein Vater in Wien nach besseren Verdienstmöglichkeiten suchte, verließ er Nikolsburg bereits im Alter von neun Jahren. In Wien wurde er nach abgeschlossenem JusStudium Rechtsanwalt und als Sekretär des Präsidenten des Nationalrates in den Staatsdienst übernommen. In der zweiten Republik gehörte er als Mitglied der sozialistischen Partei dem Nationalrat an. Seit Dezember 1945 bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 5.Mai 1957 war er Vizekanzler. Bundespräsident war er bis zu seinem Tode am 28.Feber 1965. Als mit 1.Oktober 1938 die deutsch besiedelten Gebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich abgetreten wurden, kam das deutsche Südmähren zum Reichsgau Niederdonau. Damit war der südliche Teil der Diözese Brünn durch die neue Staatsgrenze von der Bischofsstadt abgetrennt. Südmähren blieb zwar weiter im Verband der Brünner Diözese, wurde aber zu einem eigenen kirchlichen Verwaltungsbezirk, dem Generalvikariat für den deutschen Teil der Diözese Brünn. Der Generalvikar vertrat in diesem Teil der Diözese den Diözesanbischof und hatte dementsprechende kirchliche Rechte und Vollmachten. Zum Generalvikar wurde am 17.November 1938 der Propst von Nikolsburg, Dr. Franz Linke ernannt. Geboren am 25.Oktober 1880 in Jägerndorf, besuchte er das Gymnasium in Kremsier. Sein Theologiestudium erfolgte in Olmütz, wo er am 5.Juli 1904 zum Priester geweiht wurde. Hernach in DeutschLiebau als Seelsorger und in Olmütz als Katechet tätig, promovierte er dort zum Doktor der Theologie. Im Jahr 1919 wurde er erster Obmann des deutschen Priestervereines und Sekretär des deutschen Klerus der Erzdiözese Olmütz. Seit 1926 war er Landesparteiobmann der Christlich-sozialen Partei, von 1928 bis 1938 Mitglied des Währischschlesischen Landesausschusses, d.h. Mitglied der Landesregierung. Durch seine Tätigkeit war er weit über die Olmützer Erzdiözese hinaus bekannt. Am 11.Feber 1934 wurde er zum infulierten Propst des Kollegiatkapitels von Nikolsburg ernannt, am 28.Feber 1934.installiert; durch Bischof Rupka von Brünn erhielt er am 15.März 1934 die Abtweihe. Als Propst war er zugleich Stadtpfarrer von St.Wenzel in Nikolsburg. Später wurde er zum Päpstlichen Hausprälaten und wie schon erwähnt am 17.November 1938 zum Generalvikar ernannt. Dr.Linke, selbst ein begnadeter Seelsorger und fesselnder Prediger, War zugleich ein hervorragender Organisator, der unter anderem durch Errichtung eines Seelsorgeamtes, dessen Leiter der Pfarrer von Leipertitz Dr.Johann Zabel wurde, eine klare Linie in kirchlichen Fragen herbeiführte. Es ist ihm dadurch gelungen, die Südmährer trotz aller Schwierigkeiten dem katholischen Glauben und der Kirche zu erhalten. Kirchenaustritte gab es nur in geringem Ausmaße. Der Generalvikar genoss Anerkennung und Verehrung in allen Kreisen der Bevölkerung. Sein plötzlicher Tod am 29.Dezember 1944 - er starb an Gehirnschlag - traf Geistlichkeit und Gläubige. schwer. Die überwältigende Teilnahme der Priester und Gläubigen an seinem Begräbnis am 3.Jänner 1945 auf dem Nikolsburger Stadtfriedhof gestaltete sich zu einer großen Dankeskundgebung an ihn. Dr.Linke war der letzte deutsche Propst in Nikolsburg. Zum provisorischen Leiter des Generalvikariates ernannte die Diözesanverwaltung – nach dem Tod von Bischof Dr.Josef Kupka am 20.Juni 1941 gab es keinen Diözesanbischof den Leiter des Seelsorgeamtes, Dr.Johann Zabel, Pfaffer von Leipertitz, und statteten ihn mit Generalvikarsvollmachten aus. Konsistorialrat Dr.Johann Zabel, geboren am 26.Jänner 1910 in Untertannowitz, 1931 zum Priester geweiht, war der letzte Leiter des Generalvikariates Nikolsburg, das wie er in seinem Buch "Zweihundert Jahre Bistum Brünn 1777 1977" schreibt sang und klanglos nach dem Krieg zu bestehen aufgehört hat. Es gab vonseiten der Diözesanleitung weder eine offizielle Mitteilung noch ein Dankeswort. Nach seiner Vertreibung wirkte Dr.Zabel als Religionsprofessor in Wien und versammelte noch bevor nach den staatlichen Vorschriften Heimattreffen stattfinden durften, die Südmährer ab 1947 zu Wallfahrten, die zugleich Wiedersehensfeste waren. Diese von ihm eingeführten Wallfahrten fanden damals in der Wallfahrtskirche "Maria Schmerzen" in Wien, in Maria Dreieichen und zum Fest des heiligen Klemens Maria Hofbauer in "Maria am Gestade" in Wien statt. Meist zeigte Dr.Zabel bei dieser Gelegenheit nach den Gottesdiensten Lichtbilder aus Südmähren. Die Wallfahrten gaben unseren Landsleuten besonders in den ersten Jahren nach der Vertreibung viel Trost und Aufmunterung. Dr.Johann Zabel starb am 30.Juli 1977 in Wien, begraben wurde er am Friedhof in Maria Dreieichen. Stellvertretend für die vielen katholischen Priester, die zum Teil bereits vor 1938 und dann im Krieg, bzw. während und nach der Vertreibung ihren Gläubigen in für sie oft riskanten Situationen geistigen Beistand und Schutz gewährt haben, möchte ich namentlich nennen: Dechant Karl Glaninger, geboren am 31.August 1886 in Radlbrunn in Niederösterreich, Priesterweihe 1912 in Mautern in der Steiermark, wirkte in Südmähren erfolgreich als Seelsorger und Prediger in Znaim, Klentnitz, Oberwisternitz und zuletzt in Bergen. Er war Kanonikus des Kollegiatkapitels Nikolsburg und in den Jahre 1933 bis 1938 Präsident des Volksbundes der deutschen Katholiken für die Diözese Brünn. Nach der Vertreibung war er Kirchendirektor in WienDöbling und bei den Südmährern ein gern gehörter Prediger. Er starb am 20.Juli 1964 in Wien. Dechant Monsignore Rupert Bendl, geboren am 5.September 1891 in Hermannsdorf, Bezirk Znaim, 1915 in Brünn zum Priester geweiht, war er ab 1926 Pfarrer und später Dechant in Taßwitz. Zu seiner Zeit bauten die Redemptoristen die St..KlemensKirche über dem Geburtshaus des Heiligen, die Architekt Professor Klemens Holzmeister 1933 errichtete. Nach der Vertreibung gemeinsam mit seiner Pfarrgemeinde war er unermüdlicher Seelsorger der Heimatvertrie benen in Weil der Stadt in Württemberg und war Mitglied des südmährischen Landschaftsrates. Am 3.August 1970 starb er in Stuttgart und ist in Weil der Stadt begraben. Dechant Monsignore Klemens Kramert, geboren am ; 7.November 1909 in Mißlitz, maturierte am Gymnasium in Nikolsburg, studierte in Brünn, wo er 1936 zum Priester geweiht wurde, und kam als Kaplan nach St.Niklas in Znaim. Seit seiner Gymnasialzeit bis 1938 war er führend in südmährischen "Staffelstein", der katholischen studentischen Jugendbewegung, tätig. Als letzter deutscher Stadtpfarrer von St.Niklas war er in der schwierigsten Zeit, da Religionsunterricht an den Schulen nicht mehr möglich war, unermüdlicher Seelsorger; seine Pfarre wurde geistiger und religiöser Mittelpunkt für die Katholiken, vor allem für die Jugend und die in Znaim eingerückten Angehörigen der deutschen Wehrmacht katholischen Glaubens. Nach seiner Vertreibung kam er nach Wien, wo er bald die Pfarre St.Michael in WienHeiligenstadt übernahm. Hier versammelte er die in Wien verbliebenen Znaimer Studenten zu Ausspracherunden und fand außerdem ein reiches Betätigungsfeld bei den Ausgrabungen unter der romanischen St.JakobsKirche, wo ein frühchristliches Grab - höchstwahrscheinlich das des heiligen Severin - vor allem durch seine Initiative freigelegt Werden konnte. Klemens Kramert gründete die Wiener BeethovenGesellschaft und die am Heiligenstädter Pfarrplatz veranstalteten Freikonzerte. Der Vielbeschäftigte fand aber immer wieder Zeit für seine Landsleute, betreute nach dem Tode von Dr.Zabel die Wallfahrten der Südmährer und fungierte als Sprecher der sudetendeutschen Priester in österreich. Bald nachdem er sich in der Pension in das Chorherrenstift Klosterneuburg zurückgezogen hatte, starb er dort am 3.Juli 1979. Sein langjähriger Kaplan bei St.Niklas in Znaim war Professor Dr.Josef Koch, geboren am 14.Oktober 1915 in Saitz bei Nikolsburg. Nach der Matura in Brünn studierte er Theologie in Brünn und Prag, wo er 1939 zum Priester geweiht wurde. Mit dem Schuljahr 194041 begann er in Znaim an der Oberschule für Mädchen Religion zu unterrichten und als dies in der Schule nicht mehr möglich war, verlegte er den Unterricht zu St.Niklas. Professor Koch war Jugendseelsorger des gesamten Generalvikariates und betreute außerdem die Pfarre Töstitz. Sein starker Einfluss auf die Jugend, der den damaligen Machthabern nicht genehm war, erzwang im Sommer 1944 seine Versetzung nach Muschau, wo er knapp nach Kriegsende den Todesmarsch der Brünner Deutschen miterlebte und vielen von ihnen oft unter Einsatz seines Lebens helfen konnte. Im Herbst 1945 fand er als Vertriebener eine neue Wirkungsstätte als Pfarrer in Niedersulz. Als Religionsprofessor wirkte er durch viele Jahre an der Lehrerbildungsanstalt in Strebersdorf und an Gymnasien in Wien. Er setzte seine Theologiestudien fort und promovierte 1962 zum Doktor der Theologie; das Thema seiner Dissertation "Landvolk einst und jetzt" bezieht sich auch auf Südmähren. Dr.Koch, der sich stets füralle Belange seiner Landsleute einsetzte, der ein ausgezeichneter und gern gehörter Prediger bei verschiedenen Südmährertreffen und Wallfahrten in österreich - vor allem am Kreuzberg in Kleinschweinbarth - und in Geislingen, Mitinitiator des Südmährerhofes in Niedersulz war, wurde zum Obmann des Dachverbandes der Südmährer in österreich, zum Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in österreich und des Verbandes der Volksdeutschen Landsmannschaften in österreich gewählt. Auch in diesen Vereinigungen konnte er zum Wohle seiner Landsleute arbeiten. Am 7.Juli 1986 starb Dr.Koch nach langer schwerer Krankheit und wurde am Friedhof in Niedersulz begraben. Ausdrücklich festhalten möchte ich auch die beiden Südmährer, die schon daheim aktiv als Politiker und nach dem Zweiten Weltkrieg hier in österreich in unserer Landsmannschaft tätig waren, nämlich den Minister a.D. Erwin Zajicek und den Abgeordneten a.D. Hans Wagner. Minister Erwin Zajicek, am 22.Oktober 1890 in Fröllersdorf geboren, von Beruf Lehrer, gehörte seit 1925 für die Deutsche Christlich-Soziale Volkspartei dem Prager Parlament an, von 1936 bis 1938 war er Minister ohne Geschäftsbereich. Er gründete und leitete daheim den Otto Willmann-Bund eine Vereinigung katholischer Lehrer, und war Diözesanobmann des Volksbundes deutscher Katholiken. Zurückgekehrt aus Kriegsdienst und Gefangenschaft, setzte er sich besonders für die Eingliederung der Heimatvertriebenen in österreich ein. Nach Gründung des Dachverbandes der Südmährer in österreich wurde er dessen erster Obmann und Mitinitiator der Gedenkstätte auf dem Kreuzberg. Am 29.Oktober 1976 starb er in Poysdorf. Abgeordneter Hans Wagner, am 3.März 1893 in Lechwitz geboren, wurde Lehrer und gehörte von 1925 bis 1938 für den Bund der Landwirte dem Prager Parlament an. Nach Kriegsdienst war er daheim noch als Landwirt und Lehrer tätig und wurde bei Kriegsende von Tschechen verhaftet und im Znaimer KZ festgehalten. In österreich organisierte er die Südmährer und gründete die Landsmannschaft "Thaya", deren erster Obmann er wurde. Im Jahre 1947 gründete er die Zeitung "Wegwarte", die er bis 1960 redigierte. Er starb am 17.März 1984 in Wien. Stellvertretend für die vielen aus Südmähren stammenden Männer der Wissenschaft möchte ich abschließend den am 5.Feber 1881 in Znaim geborenen ordentlichen Universitätsprofessor für Pädagogik an der Universität Wien Dr.phil. Richard Meister nennen, der ein ungemein gebildeter Mann war. Er studierte in Wien Indogermanische Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Philosophie. Diese Studien schloss er 1904 mit dem Doktorat und 1905 mit der Lehramtsprüfung aus Latein und Griechisch als Hauptfächer, Deutsch als Nebenfach ab, die er dann noch um jene aus Philosophischer Propädeutik erweiterte. Von 1907 bis 1918 war er Gymnasialprofessor in Znaim und Wien, ab 1918 außerordentlicher Professor an der Universität Graz, ab 1920 an der Universität Wien bis 1923 seine Ernennung zum ordentlichen Professor für Pädagogik an der Wiener Universität erfolgte. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen und genoss internationalen Ruf. Als langjähriger Präsident der österreichischen Akademie der Wissenschaften hat er sich um diese Institution und um die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit in österreich größte Verdienste erworden. Nach dem Krieg hat er vielen heimatvertriebenen Studenten, deren Dokumente, insbesondere das Maturazeugnis, in Verlust geraten sind, hilfreich den Weg zur Immatrikulierung und damit zum Studienbeginn geebnet. Im Studienjahr 194950 War er Rektor der Alma Mater Rudolfina. Professor Meister starb am 1.Juni 1964 in Wien. Zum Ende gekommen, möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ich bei der Vorbereitung auf unwahrscheinlich viele bedeutende Menschen aufmerksam wurde, die entweder in Südmähren geboren oder in unserer Heimat Beachtenswertes geleistet haben, und dabei habe ich nur die Bezirke Znaim und Nikolsburg behandeln können, weil mir einfach ausreichende Unterlagen nur aus diesen Gebieten und eben nicht aus ganz Südmähren zur Verfügung standen. |